Design für das Wohlbefinden (Teil 2/3)

Wir bei Senic lieben Technologie, sind allerdings der Meinung, dass sie weniger ablenken und mehr Freude bereiten sollte. “Design für das Wohlbefinden” rückt Menschen in das Zentrum — einschließlich derer Fähigkeiten, Aufmerksamkeit, kognitiven Kapazitäten und Verhaltensmuster.

* Das ist der 2. Teil unserer drei-teiligen Serie über “Design für das Wohlbefinden.” In Teil 1 beschäftigten wir uns bereits mit der Frage, warum die Produkte von Tech Unternehmen oft als “Aufmerksamkeitsfresser” konzipiert sind.

* This post is also available in English

Wir benötigen Alternativen zu “klebriger” Technologie

Ein “klebriges” Design kann zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Angstzuständen, sozialer Isolation oder einem Mangel an Einfühlungsvermögen führen. Diese Nebeneffekte haben zwangsläufig einen Einfluss auf unsere Gesundheit, Beziehungen und die gesamte Gesellschaft.

Glücklicherweise gibt es eine alternative Form des Designs, von der wir hoffen, dass sie sich bei großen Tech Unternehmen durchsetzen wird, um bessere Produkte anbieten zu können, die den Menschen und dessen Wohlergehen in den Mittelpunkt stellen.

Wir nennen diese Alternative “Design für das Wohlbefinden”.

Wohlbefinden mag schwer zu definieren sein, doch wir verstehen darunter ein physisches Produkt oder eine App, die sich um den Menschen drehen. Wohlbefinden (oder Lebensqualität, gesunder Lebensstil, umweltfreundliches Verhalten) hat viele Facetten, allerdings sind Designer gewissen Einschränkungen unterworfen, wenn sie die Auswirkungen ihres Produkts auf das ganzheitliche Wohlbefinden ihrer Nutzer messen wollen.

Laut Parfit and Griffin beinhaltet psychologisches Wohlbefinden folgendes: Freiheit, Freundschaft, Autonomie, Leistung, Weisheit, Verständnis, Moral, Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, Vergnügen und ästhetisches Erleben.

All diese Dinge klingen großartig, doch wie können sie in ein Produkt gelenkt werden? Wir legten unsere eigenen Standards fest, die ein Produkt aufweisen muss um tatsächlich für das Wohlbefinden entworfen worden zu sein.

Technologie, die für das Wohlbefinden entworfen wurde, muss …

… unsere Fähigkeiten verbessern.

Einer der maßgeblichen Gründe für die Entwicklung von Werkzeug war, dass Menschen dadurch ihre eigenen Fähigkeiten steigern konnten. So wie ein Hammer eine größere Kraftwirkung auf Objekte ermöglicht, befähigen uns neuere Instrumente wie das Smartphone mit viel mehr Menschen zu kommunizieren als es Angesicht zu Angesicht möglich wäre. Das Ergebnis von um Wohlergehen zentriertem Design ist also der Ausbau der Nutzerfähigkeiten.

Dennoch müssen wir immer, wenn ein neues Gerät vorgestellt wird, die Augen für unvorhersehbare Nebenwirkungen offen halten.

Unsere Aufmerksamkeit schätzen

Soziales Bewusstsein ist tief in der Natur des Menschen verankert und einer der Gründe für die Entwicklung einer gemeinsamen gesprochenen und geschrieben Sprache, der Schaffung von Gesellschaften mit unterschiedlichen Überzeugungen und der gemeinschaftlichen Förderung von Gesundheit und Nachhaltigkeit. Sozialisierung ist somit von großer Bedeutung für uns Menschen — warum ist also ständige Kommunikation nicht befriedigend?

In Teil 1 beschäftigten wir uns mit dem Strom eingehender Inhalte und digitaler Ablenkungen und kamen zu dem Schluss, dass dadurch eine Krise der Aufmerksamkeit entsteht. Indem wir persönliche, soziale Interaktionen durch den mit einer Nachricht einhergehenden Dopaminrausch ersetzen, öffnen wir uns gegenüber süchtig machender Verhaltensmuster, die einen massiven Einfluss auf unsere sozialen Beziehungen und Gesundheit haben.

Einer der wichtigsten Gründe für eben jenes, süchtig machendes und “aufmerksamkeitsfressendes” Konzept ist die Tatsache, dass viele Geschäftsmodelle darauf beruhen. In einem auf Werbung basierendem Geschäftsmodell gilt die Prämisse, dass mehr Aufmerksamkeit mehr Geld schafft. Design für das Wohlbefinden bedarf eines Geschäftsmodells, das sich auf die Schaffung nützlicher Produkte fokussiert und nicht darauf ausgerichtet ist möglichst viel Aufmerksamkeit ihrer Nutzer zu fressen.

Unsere kognitive Kapazität respektieren

Aufmerksamkeit verursacht Kosten, wie jede andere begrenzte, persönliche Ressource. Alles, was Du betrachtest — von Pop-Up Benachrichtigungen auf dem Smartphone bis hin zu Werbeplakaten — erfordert Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung. Muss ich wirklich jetzt auf diese E-Mail antworten oder kann das noch warten? Gefällt mir dieser Beitrag? Will ich dieses Produkt wirklich haben?

The Cost of Paying Attention” Via NYTimes

Im Lauf eines Tages werden viele Entscheidungen getroffen, wobei Unwesentliche dieselbe Energie erfordern wie Wesentliche. Die ständige Reaktion auf unbedeutende Ablenkungen belastet nicht nur das Nervensystem, sondern kann auch zu einem Verlust der Impulskontrolle führen und lässt uns den Fokus für die wirklich wichtigen Entscheidungen verlieren.

Betrachten wir einmal den Prozess wie sich die Selektion von Musik entwickelte: Bei einem Radio mit einer begrenzten Zahl an Sendern war die Entscheidung ziemlich unkompliziert. Man musste bloß das Lieblingsprogramm einschalten, konnte sich zurücklehnen und es für den restlichen Abend laufen lassen. Mit dem Erscheinen von Schallplatten, Tonbändern und CDs hatte man plötzlich freie Wahl und konnte sich persönliche Sammlungen zusammenstellen und mit Freunden tauschen. 

Mittlerweile ist die Auswahl von Streaming Services durch unser kleines Smartphone nahezu unbegrenzt. Diese schier unendliche Anzahl an Möglichkeiten überfordert uns allerdings und gibt uns manchmal das Gefühl, dass es leichter wäre ganz darauf zu verzichten und gar nichts zu hören. 

Technologie für das Wohlergehen erkennt dieses Problem und sucht nach alternativen Lösungen, wie Multi-Sensory Interfaces oder Automation, um die kognitive Last und Komplexität zu verringern.

Sich der Situation anpassen

Menschen sind verschieden. Sie haben unterschiedliche Gene, unterschiedliche Manieren, unterschiedliche Werte und unterschiedliche Umgebungen. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass eine bestimmte Handbewegung über verschiedene Kulturen hinweg dieselbe Bedeutung hat. 

Wenn Du ein Licht einschalten willst, gibt es nichts einfacheres als einen Schalter zu betätigen. Wenn du nun aber einen Meter weit davon entfernt und somit nicht mehr in Reichweite bist, könnte die Stimme die beste Steuerung sein. Wenn du nun aber nicht nur das Licht einschalten, sondern auch die Helligkeit regeln willst, scheinen Bildschirme oder Wählscheiben die geeignetste Lösung zu sein. Design für das Wohlergehen ist sich dessen bewusst und achtet darauf, wie und in welcher Situation Menschen Produkte benutzen. 

Seamless Interactions utilize all of our senses

Die 3 Ebenen der Emotionen erreichen

Don Normaneiner der Begründer des emotionalen Designs beschreibt die drei Ebenen, die eine Person mit zunehmender Dauer der Verwendung eines Produktes durchschreitet, als folgende:

  1. Instinkt-Ebene: Darunter versteht man die unmittelbaren Reaktionen der Nutzer und deren Wahrnehmung, ob ein Produkt gefährlich, schön, cool usw. ist. Es ist die äußere Erscheinung, die uns anzieht.
  2. Verhaltens-Ebene: Wenn du damit beginnst ein Produkt zu verwenden, wird dessen Brauchbarkeit und Leistungsfähigkeit zu einem wichtigen Faktor. Design für das Wohlbefinden ist verständlich, brauchbar und durch physische Eigenschaften, wie die richtigen Materialien oder Form, einfach zugänglich.
  3. Reflexions-Ebene: Nach einer gewissen Zeit kann Technologie eine langfristige Wirkung und Bedeutung haben. Die Erfahrungen mit einem vertrauten Produkt werden vielfältiger, sodass man durch Assoziationen eine klare Abgrenzung zu anderen Produkten vornimmt.
Don Norman — “3 Ways Good Design Makes You Happy via TED

Design für das Wohlbefinden ist danach ausgerichtet, alle Ebenen der Emotionen zu erreichen und einen nachhaltigeren Effekt auf das Leben zu haben als das bloße Erscheinungsbild und die Brauchbarkeit.

Die Wirkungen (und Nebenwirkungen) berücksichtigen

Die Idee ein soziales Netzwerk zu schaffen, dass Milliarden Menschen weltweit verbindet ist eine edle und großartige Idee. Mann muss sich allerdings auch ehrlich die Wirkungen und Nebenwirkungen des Design für das Wohlergehen vor Augen führen. Der vermeintliche Zweck sozialer Netzwerke besteht darin, soziale Beziehungen zu fördern, doch oftmals fühlen sich Menschen dadurch isoliert und werden anfälliger für Depressionen. Das Problem mag nicht das Konzept selbst sein, sondern die Art und Weise wie es gestaltet ist. Ein Prozess, der für das Wohlbefinden konzipiert ist, erkennt das Erscheinen derartiger Probleme und passt sich folglich an.

Positive Verhaltensweise stimulieren

Vielleicht habt Ihr schon davon gehört, dass ein runder Tische eine andere Wirkung auf die Konversation zweier Personen hat als ein Rechteckiger. Alles, was um uns ist, ob Menschen, Möbel oder Technologie, hat einen Einfluss auf unser Unterbewusstsein.

Musik bringt beispielsweise Menschen näher zusammen und erleichtert deren Konversationen, was einer der stärksten Einflussfaktoren auf die mentale Gesundheit ist. Design für das Wohlergehen erkennt diese Wirkung auf das Unterbewusstsein und verwendet es dazu positive Verhaltensweisen zu formen.

Fazit

Studien belegen, dass wir unser Smartphone bis zu 150 Mal täglich öffnen — dasselbe, das Du vielleicht gerade in den Händen hältst. Wir bei Senic lieben Technologie, sind allerdings der Meinung, dass sie weniger ablenken und mehr Freude bereiten sollte.

Wir führen deshalb eine neues, innovatives Produkt ein, das Licht, Sound, Texturen, Objekte und Konversationen in Deinem Heim zu einem echten Ausdruck Deiner selbst macht. Dafür forschten wir viel mit Psychologen, Technikern, Designern und Entwicklern.

Basierend auf all den Rückmeldungen, kreierten wir ein neues Objekt, von dem wir denken, dass es Euch viel Freude bereiten wird. Wir sind schon sehr aufgeregt, es Euch in ein paar Wochen zum ersten Mal vorstellen zu können.

Bleibe die nächsten Wochen dran um einen ersten Blick auf das Produkt in Teil 3 zu erhaschen!

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