Lieber den harten Weg gehen: warum Smart Home offen sein sollte

Geschlossen entwickelte Software ist zu einem großen Problem geworden, das ein Wachstum der Smart Home Industrie verhindert — aber was heißt es eigentlich „Open Source”, bzw. offen zu entwickeln? Erfahre hier warum Verbraucher, für bestmögliche Smart Home Produkte, Open Source fordern sollten.

* This post is also available in English

2016 wurden weltweit 80 Millionen Smart Home Geräte versandt. 2050 werden es wahrscheinlich 193 Millionen sein. Bei tausenden Marken, Systemen und hundert Millionen verschickter Geräte kommt die Frage auf:

Wenn so viele Geräte verschickt wurden – befindet sich Smart Home dann in der Phase der breiten Massenannahme?

Die meisten werden diese Frage wahrscheinlich mit einem Nein beantworten. Durch die wachsende Anzahl an Sonos- und Hue-Anwendern wissen zwar mittlerweile viele was Smart Home ist, nutzen es aber selber nicht. Das hat viele Gründe. Unter anderem sind es Kosten, technisches Wissen und Datenschutzsorgen, die davon abhalten.

Während diese Themen die Verbraucher vor Schwierigkeiten stellen, gibt es ein Problem, das die gesamte Industrie betrifft: die Art, wie die meisten Firmen ihre Software entwickeln.

Foto: Jerry Kiesewetter

Geschlossene Software ist für alle – Unternehmen, Nutzer und Entwickler schlecht. Insbesondere, wenn es sich dabei auch noch um Produkte fürs Zuhause handelt. Um ein wenig mehr Licht ins Dunkel für Endverbraucher zu bringen – und in der Hoffnung, dass mehr Konzerne sich dazu entscheiden offen entwickelte Software zu unterstützen – wollen wir erklären, warum geschlossene Software eine ganze Industrie daran hindert die Art, wie wir Leben zu verändern – zum Guten oder Schlechten.

Was Bedeutet Offene Software?

Wenn eine Software offen ist heißt das, dass sich eine Firma dazu entschieden hat ihre Software für Alle zugänglich zu machen – damit sie verändert, verbessert, oder für andere Projekte genutzt werden kann. Deshalb ist die sogenannte „Open Source“ Software so wichtig – weil sie Kollaborationen unterstützt und gleichzeitig auch einen gewissen Druck auf die Softwareentwickler ausübt - denn Schludrigkeiten oder halbherzige Fehlerbehebungen sind nun für alle sichtbar. Zudem kann eine Gemeinschaft aus Entwicklern entstehen, die einander wertvolles Feedback und Ideen geben und auf Fehler aufmerksam machen kann.

Open Source ist ein heiß diskutiertes Thema im Softwarebereich– zu dem sowohl Entwickler, als auch Unternehmen ihre ganz eigenen Ansichten haben.

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: wir alle haben täglich mit offenen und geschlossenen Systemen zu tun.

Eines der besten Beispiele dafür ist, dass die meisten Internet-Server auf einem offenen System laufen –Linux. Also nutzen praktisch alle Internetnutzer täglich Open Source Software.

Als ein Nicht-Softwareentwickler, hast Du Dir dazu wahrscheinlich noch nicht allzu oft Gedanken gemacht. Und trotzdem: Open Source zu unterstützen sollte uns aus den genannten Gründen allen am Herzen liegen.

Warum Also Bauen Firmen Geschlossen?

Einige Unternehmen wollen nicht offen arbeiten, weil sie:

  1. Auf Lizensierungen setzen und deshalb ihr „intelligentes Eigentum“ schützen müssen.
  2. ‍Sich für schnelle Fehlerbehebungen und Hacks schämen.
  3. Schlicht nicht davon profitieren – entweder, weil sie kein Feedback brauchen oder wollen, oder keiner Software-Gemeinschaft angehören, der dies wichtig ist.

Für manche Firmen macht es keinen Unterschied, ob sie offen oder geschlossen entwickeln. Für die Smart Home Industrie aber ist es eine äußerst wichtige Entscheidung. Denn wenn Smart Home Unternehmen geschlossene Systeme erstellen, kann sich das negativ auf die Verbraucher, Entwickler und den ganzen Markt auswirken und die Industrie als Ganzes davon abhalten zu wachsen und innovativ zu sein.

Smart Home Sollte Immer Offen Sein

Was also konkret ist der Vorteil von Open Source? Auch wenn es Zeit frisst und bedeutet, dass in der Entwicklung keine Abkürzungen möglich sind; Fakt ist, dass ein offenes Smart Home System einen riesigen Unterschied macht. Hier vier aus dutzenden von Gründen dafür, warum Smart Home offen sein sollte:

1. Verbraucher Sollten Den Überblick Haben

Smart Home Geräte und Dienstleistungen zu schaffen und bereitzustellen ist anders, als reguläre Apps zu entwickeln. Denn mit Smart Home setzt man Technologie ins privateste Umfeld von Menschen – ihrem Zuhause. Darum sollten die Verbraucher auch immer den Überblick darüber haben, ob ihre Privatsphäre geschützt ist, was mit ihren Daten passiert und wieweit sie entscheiden Technologie in ihr Zuhause zu integrieren.

Viele Verbraucher kaufen Produkte von großen Firmen wie Apple oder Google in der Annahme, dass diese ja „zu groß zum Scheitern“ sind. Die Schwierigkeit dabei liegt allerdings darin, dass wir keinerlei Kontrolle darüber haben, was eigentlich mit unseren Daten passiert (wie es uns der San Bernadino Fall mit Apple deutlich gezeigt hat). Wir sind von den Entscheidungen großer Firmen abhängig.

Dieses Risiko ist mit Open Source natürlich nicht komplett aus der Welt. Dennoch, wenn Firmen offen entwickeln geben sie damit Einblick in hoch interne Vorgänge und es besteht zudem die Möglichkeit zu verfolgen, was mit Deinen Daten passiert. Bei großen Firmen, die beschränkte Haftungsbestimmungen haben, ist es schwer zu wissen, wer alles Zugang zu Deinen Daten hat.

2. Produkte Sollten Langlebig Sein

Wenn Du einen Gegenstand – eine Jacke oder einen Stuhl kaufst, dann möchtest Du lange was davon haben. Schließlich willst Du nicht unbedingt für etwas Geld ausgeben, das schnell nutzlos oder kaputt ist.

Eine Möglichkeit sicherzugehen, dass Du etwas mit Nachhaltigkeit kaufst, sind Open Source entwickelte Produkte. Einem Unternehmen kann viel passieren (Konkurs, Übernahme, Fusion etc.) und wenn einer dieser Fälle eintritt, sollten Verbraucher davon nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nest machte Revolv im Mai 2017 für immer funktionsunfähig

Als Google beispielsweise das Smart Home Startup Revolv kaufte, entschieden sie sich keine der bisherigen Apps oder der bisherigen Dienstleistungen fortzuführen. Somit standen Revolvs ehemalige Nutzer mit einem nutzlosen teuren Stück Hardware in der Hand dar. Verständlicherweise waren die Leute sauer darüber und stellten schlussendlich die Beständigkeit von Smart Home in Frage.

Welche Hardware wird Google sich als Nächste rauspicken, um sie systematisch zu zerstören? Wenn sie zum Beispiel beschließen plötzlich Android nicht mehr zu unterstützen, wird dann am Folgetag der abgelaufenen Garantiezeit Dein Bildschirm schwarz werden? Ist Dein Nexus-Gerät noch sicher? Wie sieht es mit Deinem Nest Rauchmelder aus? Was ist mit Deiner Dropcam? Und Dein Chromecast-Gerät, wie sieht’s damit aus? Wird Google/Nest irgendwann einmal Deine Familie gefährden? – Arlo Gilbert auf Medium

Durch Open Source werden diese Sorgen wesentlich verringert, da das Unternehmen nicht nur die Software beisteuert, sondern es auch noch die Unterstützung der Plattform-Gemeinschaft gibt. Das bedeutet nicht, dass es einer Firma unmöglich gemacht wird Hardware „zum Fall zu bringen“ aber es wird definitiv erschwert.

3. Die Software-Gemeinschaft Hält Die Firma Im Zaum

Mit einer Gemeinschaft aus Mitgestaltern baut sich ein Unternehmen seine eigene “Glas-Küche” – was bedeutet, dass jeder sehen kann, was es tut. Sollte eine Firma mit schludrigen Codes oder oberflächlichen Fehlerbehebungen arbeiten, können die anderen Softwareentwickler darauf aufmerksam machen. Durch dieses „Peinlichkeitsgesteuerte-Entwickeln“ besteht der Druck die bestmögliche Software zu entwickeln.

Casa Camper Hotel Berlin designt von Ronan und Erwan Bouroullec.jpg

Casa Camper Hotel in Berlin, designt von Ronan und Erwan Bouroullec

Ebenso verhält es sich mit Problemen, wenn es um Sicherheit geht – die Gemeinschaft ist dazu ein großartiges Mittel. Denn in geschlossenen Systemen ist lediglich eine „Sicherheit durch Unklarheit“ möglich – was bedeutet, dass Firmen durch Geheimhaltung verstecken an was sie gerade arbeiten. Das genaue Gegenteil davon ist Open Source; in offenen Systemen lautet das Motto nämlich „Sicherheit durch Transparenz“. Das heißt, dass sie jedem erlauben die Probleme und Fehler einzusehen, sodass diese behoben werden können. Eben jene Transparenz sichert die Qualität und Sicherheit des ganzen Systems.

4. Mehr Mitwirkende = Bessere Produkte

Das Rad braucht nicht neu erfunden zu werden. Open Source basiert auf der Idee von Zusammenarbeit und Transparenz. Wenn eine Firma also ein Produkt herstellt, verlassen sich die Entwickler nicht nur auf ihr eigenes Wissen und ihre Fähigkeiten. Vielmehr bauen sie auf existierenden Projekten auf.

Bei Open Source kann jeder überall auf der Welt sich den Code, auf der die Entwicklung basiert, anschauen. Jeder kann Vorschläge machen, Veränderungen vornehmen oder Eigenes beisteuern. Mit dem Wachstum der Gemeinschaft um ein Projekt herum, wächst auch die Qualität und Geschwindigkeit, mit der ein Produkt produziert wird.

Open Source Smart Home

Mit steigendem Wachstum und Ausbau des Smart Home Marktes sollten immer mehr Unternehmen offen entwickeln. Auf der anderen Seite sollten bewusste Nutzer Open Source fordern und damit anfangen nur solche Produkte zu kaufen. Damit sichergestellt werden kann, dass nur noch bestmögliche Smart Home Produkte produziert werden.

Wer Sind Wir?

Wir sind Senic. Ein Soft- und Hardware Startup aus Berlin, das Interfaces und Systeme für Smart Homes entwickelt. Schau Dir unser neuestes Produkt COVI an, eine sprachgesteuerte Designer-Lampe mit einem Open Source Smart Home Hub. Und für die Softwareentwickler unter Euch: Schaut Euch unsere Doku oder unseren GitHub an.

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